Bier auf Bornholm

Wer am Marktplatz von Svaneke aus dem Bus steigt, dem fällt sofort das gelb und schwarz getünchte Fachwerkhaus mit dem großen Schild „Bryghuset“ ins Auge. Dahinter verbergen sich Restaurant und Bar der Svaneke Brauerei. Gegründet im Jahr 2000 war Svaneke einer der ersten Mikrobrauereien in Dänemark und sorgte zugleich dafür, dass es nach 45 Jahren endlich wieder eine eigene Brauerei auf Bornholm gab.

Brygmester-Jan-Paul

Braumeister Jan Paul (Foto: Svaneke Bryghus)

Der Braumeister von Svaneke ist seit 2007 ein Deutscher. Jan Paul kommt einem meistens auf seinem Skateboard in den Straßen von Svaneke entgegen, denn heute muss er zwischen dem gemütlichen Restaurant am Marktplatz und der neu errichteten, hochmodernen Brauerei am Stadtrand pendeln. Schuld daran sind seine exzellenten Biere, die inzwischen in ganz Dänemark getrunken und geschätzt werden. Begann Svaneke Bryghus im Jahr 2000 noch mit eher klassischen Biersorten (Pils, Lager, Dunkles), so ist die Experimentierfreude spätestens seit dem Einsteigen von Jan Paul deutlich gestiegen. Inzwischen gehören zwölf verschiedenen Biersorten zum Standardprogramm, ergänzt durch eine ganze Reihe saisonaler Biere. Meine persönlichen Highlights sind das leicht scharfe Chili Ale, welches perfekt zu Grillfleisch passt, sowie das fruchtig herbe Sauna IPA, welches mit Chinook gehopft wurde.


Die Macher von Svaneke sehen sich selbst inzwischen nicht mehr als Mikrobrauerei, kein Wunder bei einer jährlichen Kapazität von 3 Millionen Litern Bier und einer Abfüllanlage, die 7.000 Flaschen pro Stunde schafft. Doch ihren Grundsätzen sind sie weiterhin treu: das Bier ist unfiltriert und braucht daher im Brauprozess deutlich länger. Und es wird weiterhin reichlich experimentiert. Im Stammsitz am Marktplatz braut Jan Paul weiterhin 1000-Liter Test-Sude. So hat Svaneke allein 2015 mehr als 50 Bierstile an die Zapfhähne gebracht. Und für Jan Paul gilt: oben in der großen Brauerei ist die Arbeit, unten in der Stadt findet der Spaß statt.

Doch Svaneke Bryghus sind inzwischen nicht mehr die einzigen, die auf Bornholm Bier brauen. Eher ein Hobbyprojekt sind die BornholmerÖL’en. Von ambitionierten Hausbrauern im Jahr 2012 ins Leben gerufen, sind inzwischen fünf verschiedene Sorten – benannt nach Bornholmer Sehenswürdigkeiten – in einigen Restaurants, Supermärkten und an Kiosken verfügbar. Mich persönlich konnten weder das Pale Ale noch das Brown Ale oder eines der anderen Biere wirklich überzeugen. Abgefüllt und gebraut wurde übrigens lange Zeit bei Svaneke.

Seit 2015 versucht sich auch der beste Schlachter der Insel, Jörgen Christensen, als Brauer. Was als Hobby begann und anfangs nur in seinem der Schlachterei angeschlossenen Cafe Hallegaard ausgeschenkt wurde, hat sich inzwischen zu einem respektablen Projekt gesteigert. Schon sein erstes Bier, ein American Pale Ale, glänzte durch einen ausgewogen fruchtig-hopfigen Geschmack. Den Hopfen ließ er sich damals von seinem in den USA studierenden Sohn direkt im Flugzeug mitbringen. Inzwischen produziert die Hallegaard Small Batch Brewery elf verschiedene Sorten. Gebraut und abgeflascht wird per Hand auf dem Hof selbst. Alle Sorten haben ein deutliches Hopfenaroma mit angenehmer Bitternote. Gekauft werden kann es fast nur im Cafe, manchmal auf lokalen Festen und in einigen, wenigen Shops (zB dem Museumsshop von NaturBornholm). Der Erfolg jedenfalls gibt Christensen recht: seine Biere sind permanent ausverkauft und regelmäßig muss seine Familie zum Etikettieren und Abfüllen einspringen. Aktuell baut Christensen gerade eine größere Schlachterei, aber wenn es so weiter geht, braucht er bald dazu auch noch eine deutlich größere Brauerei.

Ebenfalls 2015 zog die Australierin Jessica Jenkins mit ihrem dänischen Mann Christian Skovdal Andersen in die kleine Hafenstadt Tejn auf Bornholm. In einer unscheinbaren Industriehalle direkt am Hafen haben sie inzwischen eine stattliche Brauerei errichtet. Der gelernte Braumeister Christian braut hier seine eigenen Biere unter der Marke BeerHere, die vielfach durch ihre Stärke und ihre deutlichen Hopfennoten geprägt sind. Sensationell sind zum Beispiel das Sauer-Weissbier Slettegard oder das Citrus geprägte Brown Ale Karma Citra. BeerHere ist schon länger am Markt, Christian war lange Zeit in ganz Dänemark als Gypsie-Brewer unterwegs. Jessica hingegen, die aus der Gastronomie kommt, baut mit Penyllan gerade ihre eigene Biermarke auf. Dabei experimentiert sie mit komplexen Bieren, die in Holzfässern reifen und setzt insbesondere auf Spontanvergärung und lokale Zutaten.



Aktuell sind sie nur in der Penyllan Bar & Kitchen, welches sich im wunderschönen Hotel Nordlandet in Sandvig befindet, erhältlich. Mit einem traumhaften Blick aufs Meer, gutem Essen und vorzüglichen Bieren lässt es sich hier sehr gut aushalten. Im Spätsommer 2016 soll dann das erste Penyllan-Bier – Nina genannt – auch in Flaschen auf den Markt kommen.

Damit ist und bleibt Bornholm nicht nur ein tolles touristisches Ziel, sondern bietet auch für Bierliebhaber ein spannendes Umfeld, welches absolut einen Besuch wert ist.

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